Sozialarbeit mit Familien rheumakranker Kinder
Möglichkeiten der Hilfe im klinischen und familiären Bereich
4 Möglichkeiten der Sozialarbeit: Hilfe im klinischen Bereich
4.1 Die Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen – Rheumaklinik für Kinder und Jugendliche

Die Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen als Rheumaklinik für Kinder und Jugendliche besteht seit 1952. Sie weist verschiedene Superlative auf:

(Michels/Häfner 2002, KID 9, 4)
 

Geschichte

Seit 1926 befand sich in der ehemaligen „Pension Reim“ in der Pitzaustraße am Ortsrand von Partenkirchen ein Kindergenesungsheim für erholungsbedürftige Stadtkinder des Landesvereins für Innere Mission Nürnberg. Nach mehreren Umbauten wurde dieses in eine Tuberkulose-Heilstätte für Kinder umgewandelt. 1948 ging die Trägerschaft an die Rummelsberger Anstalten über. Im Rahmen des Marshall-Plans, der den Aufbau von Projekten mit Modellcharakter unterstützte, konnte 1952 die erste Rheuma-Kinderklinik Deutschlands mit zunächst 20 von 80 Betten eröffnet werden. Über Jahrzehnte hinweg befanden sich eine allgemeine Kinderklinik als auch die Rheumaklinik unter einem Dach. 1971 wurde ein separater Neubau, der sogenannte Rheumabau, geschaffen. Damit standen der Rheumaklinik 104 Betten zur Verfügung, daneben Funktionsbereiche wie Krankengymnastik, Labor, OP und Röntgen. 1988 begann der intensive Aufbau des Sozialdienstes. 1989 wurde ein Erweiterungsbau für Krankengymnastik und Bewegungsbad erstellt. Seit 1994 steht ein separates neugebautes Haus „Villa Kunterbunt“ für Eltern zur Verfügung, die ihre kranken Kinder begleiten. (Neukamm 1980, 25; Stoeber/Sänger 1992, 1-11; Winter 2001, 89-92; Häfner 2004, Internet)

Zum 1.10.2004 wurden die 40 Akutbetten der Kinderklinik samt den 5 Betten der Neugeborenenintensivstation ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen verlegt. Während dort Synergieeffekte genutzt werden können, bedeutet dies natürlich eine Erschwernis in Diagnostik und Therapie bei akuten Erkrankungen der Rheumakinder. Am 15.10.2004 wurde die Rheuma-Kinderklinik umbenannt in „Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie“.
 

Daten

Die rheumakranken Kinder und Jugendlichen werden auf fünf Stationen mit insgesamt 127 Betten behandelt. Die Altersspanne erstreckt sich von 1 bis ca. 25 Jahren. Wie sich also zeigt, sind die Jugendlichen so mit dem Haus verbunden und mit der Behandlung zufrieden, dass sie sich auch als junge Erwachsene um eine Aufnahme bemühen, obwohl hierfür das Rheumazentrum Oberammergau zur Verfügung steht. (Häfner 2004, Internet)

Die Patienten stammen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie den Nachbarländern. Manche kommen aus weiter entfernten Ländern wie Rumänien, Russland oder sogar Irak. (Schwester Ingrid 2004, persönliche Mitteilung)

Die Verweildauer ist natürlich vom individuellen Krankheitsbild abhängig. Sie reicht von wenigen Tagen zur Diagnostik bis zu vier oder noch mehr Wochen vor allem bei Schmerzpatienten und beträgt durchschnittlich etwa 12 Tage. In den Anfangszeiten betrug sie bis zu 80 Tagen. (Chefarzt Dr. Michels 2004, persönliche Mitteilung)

Ein Prinzip der Klinik ist auch, dass die Kinder bei weiteren Behandlungen jeweils auf der gleichen Station aufgenommen werden. Damit kann auf dem bereits bestehenden Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. Die Rheumakinder finden sich im vertrauten Umfeld (Personal, Patienten) rascher zurecht, treffen sich wieder und Freundschaften können gepflegt und vertieft werden. (Schwester Ingrid 2004, persönliche Mitteilung)
 

Kooperationen

Die Rheuma-Kinderklinik verfügt über ein weltweit anerkanntes Fachwissen und eine umfassende Erfahrung in der Diagnostik und Therapie rheumatischer Erkrankungen bei Kindern. Dabei kann sie sich auf 10.000 systematisch dokumentierte Krankengeschichten aus 52 Jahren stützen, die selbst die seltensten Krankheitsbilder und –verläufe beinhalten.

Dem Ruf der Klinik entsprechend beteiligen sich die Ärzte, auch das Funktionspersonal, an wissenschaftlichen Forschungsprojekten und Kongressen.

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Rheumazentrum Oberammergau (Rheuma-Orthopädie und –Chirurgie) sowie dem Max-Planck-Institut für Biochemie in München (Amyloiddiagnostik). Weitere Kooperationspartner sind die Orthopädische Klinik Wichernhaus in Rummelsberg, das Klinikum Garmisch-Partenkirchen (Hüft-Endoprothesen, in Zukunft auch die dorthin gewechselte Kinderklinik), die Kinderklinik in Aschau (Gelenkkontrakturen bei Dermatomyositis) sowie das Dr. von Haunersche Kinderspital der Universität München (Kleinwuchs und Osteoporose).

Als Konsiliarärzte werden niedergelassene Augenärzte, HNO-Ärzte, Neurologen, Hautärzte und Kieferspezialisten zur weiteren Diagnostik und Behandlung herangezogen. Bei den Hilfsmitteln besteht eine bewährte Zusammenarbeit mit hochqualifizierten Firmen vor Ort (Gehhilfen, Gelenkmanschetten, Schuh- und Einlagenversorgung, Therapieroller usw.). (Häfner 2004, Internet)
 

Leitbild

Die Mitarbeiter der Klinik sehen ihren vom christlichen Menschenbild geprägten Auftrag darin, junge Patienten und deren Familien in einer liebevollen, kindgerechten und gesundheitsfördernden Atmosphäre zu betreuen. In dem täglichen Bemühen darum, den Gesundheitszustand erkrankter Kinder und Jugendlicher zu bessern und möglichst vollständige Heilung zu erreichen, wird ein mehrdimensionaler, multidisziplinärer Ansatz verfolgt. Bei unheilbaren chronischen Erkrankungen besteht die Aufgabe darin, die anvertrauten kleinen und großen Patienten durch schwierige Lebensphasen zu begleiten und sie bei ihrer individuellen Krankheitsbewältigung zu unterstützen. (Häfner 2004, Internet)

Die Stärke der Klinik liegt in ihrer freundlichen, persönlichen Atmosphäre. Es wird viel Zeit verwendet für die individuelle Zuwendung zum Patienten. Aufklärung, Beratung, das Erkennen und Berücksichtigen der persönlichen Bedürfnisse tragen ihren Teil bei zum Abbau von Ängsten und Unsicherheiten. Offener und respektvoller Umgang mit Patienten und Angehörigen wird als Maßstab angesehen. Die individuellen Therapiekonzepte werden von den Teams in einen patientenorientierten Tagesablauf eingebunden.

Ziel der Arbeit ist die Schaffung von Voraussetzungen, um die Lebensqualität der betreuten Kinder und Jugendlichen zu erhalten. Die Mitarbeiter der Klinik helfen dabei mit, die Alltagsstrukturen zu gestalten, die Selbständigkeit zu fördern und die Zukunft der anvertrauten Patienten zu sichern.

Gegenseitiges Vertrauen, Identifikation mit den Aufgaben, das respektvolle Miteinander und die Anerkennung der Fähigkeiten des anderen sind die Grundlagen der gemeinsamen Arbeit. Die kollegiale Zusammenarbeit aller Berufsgruppen und der umfassende Austausch von Informationen steigern die Zufriedenheit des Personals als auch ihrer Klientel.

Gerade auch in Zeiten wirtschaftlicher Engpässe hat sich die Klinik zum Ziel gesetzt, durch verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, durch Ergreifen von Maßnahmen zur Qualitätssicherung und durch effektiven Umsatz innovativer Prozesse sich den neuen Herausforderungen zu stellen und die wirtschaftliche Selbsterhaltung zu betreiben. (Häfner 2004, Internet)
 

Behandlungskonzept

Den Menschen als ganzheitliches Wesen anzusehen, schlägt sich auch im Therapiemodell nieder. „Das Garmisch-Partenkirchener Behandlungskonzept“ besitzt internationale Anerkennung. Es wurde 1978 vom damaligen Chefarzt Professor Truckenbrodt initiiert, von Carola von Altenbockum für das Gebiet der Krankengymnastik und Ergotherapie entwickelt und 1988 um den Sozialdienst ergänzt. Die ersten zwei Säulen „Ärztlich-medikamentöse Therapie“ und „Physio- und ergotherapeutische Behandlung“ wurden bereits in Kapitel 1.5 „Medizinische Aspekte - Therapie“ vorgestellt. In diesem Kapitel werde ich näher auf die „Psychosoziale Betreuung“ eingehen. Diese erhält ihren besonderen Stellenwert dadurch, dass rheumatische Erkrankungen meist nicht ursächlich zu behandeln und damit auch nicht heilbar sind und durch ihren chronischen Verlauf das ganze Leben beeinflussen. (Michels/Häfner 2004, Internet)
 

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